Mit dem Wort „Unternehmensspirit“ beschreibt die Geschäftsleitung eines mittelständischen Unternehmens aus Baden-Württemberg die Art, wie engagiert alle Mitarbeiter im Unternehmen zusammenarbeiten, wie die Kommunikation über alle Hierarchie- und Abteilungsgrenzen hinweg funktioniert, wie verbunden sich alle mit dem Unternehmen fühlen und wie stark der konstruktive Gestaltungswillen aller Mitarbeiter ausgeprägt ist.

Dieser Unternehmensspirit, der stets ein wichtiger Faktor für Zusammenhalt, Spaß und den Erfolg des Unternehmens war, hatte in den letzten Jahren gelitten. Das Unternehmen hatte sich entwickelt, es war gewachsen und nun nicht mehr so selbstverständlich vorwärtsstrebend wie in den ersten Jahren. Hier sollte jetzt gegengesteuert werden…

 

Frühjahrssonne verheisst einen guten Tag

 

An einem kühlen Aprilmorgen fuhr ich zu dem Workshop in einem ländlich gelegenen Schloß-Hotel. Die Sonne stand noch tief über den nebligen Flussauen. Eine schöne Gegend. Ich freute mich auf den Tag und auf die Teilnehmer. Gleichzeitig konnte ich eine gewisse Anspannung kaum unterdrücken. Die kommenden Stunden waren dafür vorgesehen, den Spirit in einem Unternehmen wieder aufzupolieren. Dazu waren fast alle Mitarbeiter und Führungskräfte dieses Unternehmens aus beiden Standorten beim Workshop versammelt. – Eine große Gruppe und ein sehr weit gefasstes Thema. Zum Glück war das Ziel ganz klar definiert: wir wollen greifbare und umsetzbare Ergebnisse erzielen.

 

Rahmenbedingungen für das Tagesziel

 

Kern des Workshops war, wie sich herausstellte, das Wiederentdecken und Ergründen des Geistes der ersten Unternehmensjahre sowie dessen Transfer in die Belange des heutigen, etablierten und sich weiterentwickelnden Unternehmens. Im Verlauf des Tages galt es, einen Entwicklungsprozess einzuleiten, diesen zu moderieren und recht zügig in konkrete Ergebnisse zu überführen. Ein Tag ist hierfür nicht gerade üppig bemessen. Zudem war es mir wichtig, die Themen aus der Gruppe heraus entstehen zu lassen, den Teilnehmern Zeit für den Prozess zu geben und gleichzeitig die (innere) Beteiligung über den ganzen Tag hoch zu halten.

 

Um das gesetzte Tagesziel zu erreichen,  war es wichtig, dass alle Teilnehmer sehr schnell nach vorne denken, jeder musste das Gefühl haben, dass seine Meinung gefragt ist und die Hierarchien mussten verschwimmen. Das individuell ausgearbeitete Workshopkonzept umfasste mehrere Module, …

  • die den Gemeinschaftssinn und die Lösungsorientierung förderten,
  • die Raum für das Finden und Ausgestalten der konkreten Themen gaben,
  • die für eine regelmäßige Durchmischung der Gruppe sorgten,
  • die kognitives und emotionales Arbeiten erforderten und
  • die zur Konzeption konkreter Maßnahmen aufriefen.

Jetzt brauchte ich nur noch die Teilnehmer, die dieses Konzept mit Leben füllten. – Und die sollte ich bekommen.

 

Arbeitsintensive kurzweilige Module

 

Schon nach den ersten Minuten nahm unser Dampfer Fahrt auf. Selbst die augenscheinlich eher Zurückhaltenden konnten und wollten sich nicht verstecken. Das positive Feedback zur persönlichen Fähigkeit zur Teamarbeit, welches sich die Teilnehmer im ersten Modul gegenseitig gaben, zeigte seine Wirkung. Gegen das geschäftige Gemurmel der Diskussionen in den Kleingruppen war kaum anzukommen, als es darum ging, den Gruppenwechsel oder den Übergang zum nächsten Modul anzukündigen. Und wenn es in einer Kleingruppe mal etwas stockender voran ging, reichte die aufgenommene Energie aus, um über die Flaute hinweg zu kommen und die Segel wieder neu zu setzen.

 

Am späteren Nachmittag wurde eifrig an den Schlusspräsentationen gearbeitet. Was dabei inhaltlich und gestalterisch auf die Beine gestellt wurde, übertraf alle Erwartungen. Von der einfallsreich untermalten Präsentation an der Pinnwand über den Rap und die Live-Performance, bis hin zum Theaterstück war alles dabei. Inhaltlich, wie gestalterisch, waren alle Präsentationen richtige Leckerbissen. Durch die teilweise überlappenden Maßnahmenvorschläge war klar erkennbar, wie verwoben die morgens erarbeiteten Themen waren. Es gab viel Beifall und das Kopfnicken an der ein oder anderen Stelle verriet, hier hatte die Gruppe wieder einen Nagel auf den Kopf getroffen.

 

Zwischenfazit der Geschäftsleitung

 

Die Schlussworte zweier Mitglieder der Geschäftsleitung fassten den Tag und die daraus abzuleitenden weiteren Schritte folgendermaßen zusammen:
Mit hoher Beteiligung jedes Einzelnen wurden die erarbeiteten Themen von verschiedenen Seiten beleuchtet und die erarbeiteten Maßnahmenvorschläge eingängig dargestellt. Die konsequente Lösungsorientierung bei allen Diskussionen des Tages hat für eine durchgängige Fokussierung auf die eigenen Ressourcen gesorgt. In nachgeschalteten Arbeitsgruppen und moderierten Workshops zu den erarbeiteten Themen wird der Rückenwind dieses Tages genutzt.

Natürlich hatte sich die Geschäftsführung bereits lange vor dem Workshop Gedanken zu den aktuellen Entwicklungen, den möglichen Gründen und Korrekturmaßnahmen gemacht. Trotzdem lieferte dieser Tag kleine Überraschungen und Korrekturen der bisherigen Situationsanalyse.

Die Geschäftsleitung ist auf jeden Fall begeistert über das Zusammenspiel der unterschiedlichen Charaktere in ihrem Unternehmen. Sie ist sehr zuversichtlich, dass ihre Absicht, alle Mitarbeiter an der Gestaltung und am Erfolg des Unternehmens zu beteiligen, bei allen angekommen ist. In dem nun geübten Sinne kann der weitere Weg des Unternehmens erfolgreich begangen werden.

 

Wodurch wird der beschriebene Verlauf des Tages begünstigt?

 

Das Workshopkonzept mit seinen unterschiedlichen, aufeinander aufbauenden Modulen hatte sicherlich seinen Anteil an den Ergebnissen des Tages. Die Basisbedingungen wurden aber von der Geschäftsleitung geschaffen. Zum einen haben sie ihr Unternehmen durch ihre gelebte Haltung mit einem ganz besonderen „Geist“ versehen. Zum anderen haben sie bei der Auswahl der Mitarbeiter ein durchgehend glückliches Händchen bewiesen und Menschen mit einem hohen konstruktiven Gestaltungswillen um sich versammelt.

 

Mitarbeiter dürfen

Die Mitglieder der Geschäftsleitung machen Ihren Mitarbeitern jeden Tag ein großes Geschenk. Sie übergeben den Mitarbeitern nämlich ihr Unternehmen zur gemeinsamen Gestaltung. Damit begeben sie sich in den Spagat zwischen der unternehmerischen Herausforderungen, sich als Unternehmen auf dem Markt zu behaupten, und dem gelebten Anspruch, das Arbeitsleben als gleichberechtigtes Miteinander fachlich unterschiedlich aufgestellter Spezialisten zu gestalten.

 

Zudem stellt sich, soweit ich es erleben konnte, kein Mitglied der Geschäftsleitung maßgeblich über die Mitarbeiter, sondern ist bemüht, gemeinsam und unter Berücksichtigung der jeweiligen Stärken etwas besonderes zu schaffen. Mit dieser Haltung der Geschäftsleitung sind große Freiheiten und auch entsprechende Herausforderungen für jeden Mitarbeiter verbunden.

 

Mitarbeiter wollen

In jedem Unternehmen gibt es Mitarbeiter die sich stärker und solche, die sich geringer an der Gestaltung des Unternehmens beteiligen. Während des Workshoptages und auch bei den Vorbereitungen durfte ich jedoch eine aussergewöhnlich hohe Zahl an Menschen erleben, die sich und ihre Ideen ins Unternehmen einbringen wollen. Diejenigen, die dies nicht aus eigenem Antrieb heraus getan hätten, liessen sich sehr schnell dazu animieren. Letzteres geschah sicherlich auch, weil jeder verstanden hat, dass der Workshop, mit ernsthafter Absicht, das Vorwärtskommen des Unternehmens im Fokus hatte.

 

Sozialer Klebstoff und Katalysator für Unternehmenserfolg

 

Ich durfte ein Paradebeispiel für ein modernes Unternehmen kennenlernen. Mitarbeiterführung hat hier sehr viel mit Mitarbeitermotivation und der Gestaltung des Miteinanders zu tun. Die Freude an der gemeinsamen Arbeit und den dabei zu erzielenden Ergebnissen wird als wichtiger Faktor des Unternehmenserfolgs gesehen.

Zudem wurde bewiesen, wie wichtig es auch und gerade in einem solchen Unternehmen ist, sich Zeit zu nehmen, um sich auf die Faktoren zu besinnen, die das Miteinander ausmachen. Auch die noch so technisch und faktisch getriebene Zusammenarbeit lebt von der gemeinsamen Stoßrichtung und dem gelebten Miteinander, in dem Fehler und große Erfolge möglich sind.