Wer sich für sein Unternehmen dazu entschließt, einen Coach zu engagieren, trifft sehr schnell auf die erste Hürde:

„Wo finde ich den Coach, der für meine jetzige Situation geeignet ist?“ Fragt man Tante Google, dann kommt man auf ungefähr 848.000.000 Ergebnisse. Der Grund dafür ist recht einfach. Der Begriff Coach ist nicht geschützt und somit darf sich erstmal jeder, der sich berufen fühlt, so nennen.

Gut. Manche nennen sich Business-Mentoren, Unternehmensstrategen, Consulter oder…wie auch immer. Die Suche gestaltet sich in jedem Fall schwierig.

 

Nach welchen Kriterien sollten Unternehmer also schauen?

Da wären zunächst einfach mal die gängigen Dinge, wie Ausbildung mit Coachinghintergrund und die Mitgliedschaft in einem Coaching-Verband. Doch eine sichere Bank ist das nicht, sondern zeigt lediglich, dass dieser Coach sein Handwerk auch gelernt hat. Nicht, ob er es auch versteht.

Ich selbst nehme immer wieder Coaching-Dienstleistungen in Anspruch und kann wahrlich ein Lied davon singen, wie stark die tatsächlichen Expertisen sich doch unterscheiden.

Ich habe hier meine persönliche Liste zusammengestellt, die auf 15-Jahre Coaching-Erfahrung zurückzuführen ist:

 

  1. Authentizität

Welch´ wichtiger Punkt! Und deshalb auch an erster Stelle. Lebt der Coach auch das, was er predigt? Nichts ist schlimmer, als jemand, der aus Büchern zitieren kann, aber nicht hinter etwas stehen kann, so dass er selbst auch für sich anwendet.

 

  1. Praxiserfahrung

Der Punkt schließt sich unmittelbar an: Ein Coach sollte etwas aus der Operativen verstehen. Sobald ein Coach sich ausschließlich mit Modellen beschäftigt und diese in den Vordergrund stellt, hat er einfach wenig Erfahrung in eigener Unternehmensführung. Weiterbildung ist toll – keine Frage. Nur wie Daniela Ben Said so schön sagt: Es gibt Wissensriesen und Umsetzungszwerge. Zweite können Dir einfach kreativer und erfahrender helfen.

 

  1. Spezialisierung

Wenn´s passt. Du hast ein spezielles Thema? Dann nimm den Spezialisten. Recherchiere und frag andere, wie ihnen der Berater helfen konnte. Gib dabei nix auf Testimonials. Frag den Coach nach Referenzkunden. Und dann ruf sie an. Frag den Coach mal nach Herausforderungen und wie er damit umgegangen ist. Du siehst schnell, wie fit er in einem spezialisierten Thema wirklich ist.

 

  1. Chemie

Egal wie gut der Coach ist – es muss einfach passen. Die Chemie muss von beiden Seiten aus stimmen. Ein Coaching basiert auf Vertrauen und harmonischer Zusammenarbeit. Ein Kriterium für uns ist es deshalb sogar mittlerweile, ob es ein kostenloses Vorgespräch gibt. Die vermeintlich exklusiven Coaches schreien jetzt auf. Na klar. Die haben keinen Cent zu verschenken und arbeiten nicht kostenlos. Ein guter Coach weiß aber um die Wichtigkeit der Chemie und lehnt auch Aufträge ab. Denn wenn die Chemie während des Coachings nicht stimmt, verdient nur einer. Und das Coaching war umsonst.

 

  1. Kompetenz

Diese sei nicht an 5. Stelle zu sehen, sondern ist auf Augenhöhe mit allen Punkten. Ein Coach sollte Methodenkompetenz, Fachkompetenz und Sozialkompetenz besitzen. No comment.

 

  1. Unternehmergeist

Coaches müssen Sicherheit vermitteln. Das fängt mit der Frage nach dem Preis an. Wie oft höre ich: „Ja mache ich auch. Ist aber teuer.“ Hallo? Wie teuer? Willst Du mich als Kunden oder nicht? Bist Du Coach oder nicht? Wenn Dein Preis zu Deiner Leistung passt – wo ist das Problem? Ein Coach sollte geradlinig und konsequent sein. Er sollte wissen, was er kann und was nicht. Er sollte genau benennen können, welchen Mehrwert durch ihn entsteht.

 

  1. Bedürfnisorientierung und Marktinstinkt

Zu einem guten Coaching gehört eine ordentliche Methodik, um eine Bestandsaufnahme zu machen. Er muss wissen, wo Du stehst, was Du hast, was Du nicht hast und wo Du hinwillst. Er orientiert sich an Deinen Bedürfnissen, spielt sich auf Dich ein. Im richtigen Moment setzt er aber auch einen Stopp, wenn Deine Idee am Markt vorbei zieht.

 

  1. Lösungsorientiert

Ein Coaching hat ein Ende. Das sollte definiert sein. Um das wirklich in die Tat umzusetzen und nicht an seinem Nabel zu hängen, sollte er mit Dir Kompetenzen trainieren und Dich zu Einsichten begleiten. Er sollte Dich so coachen, dass er selbst entbehrlich wird und Du alles Werkzeug an der Hand hast, um selbstständig weiterzugehen.

 

  1. Freigeist und Kreativität mit Strategie

Ein Coach hat das große Ganze sicher im Blick. Er lässt dabei Raum für Kreativität und hat dazu etliche Tools und Methoden an der Hand. Er denkt unkonventionell und auch mal um die Ecke. Er regt Dich an, dabei aus der Betriebsblindheit auszusteigen.

 

  1. Interesse und Nachhaltigkeit

Nach dem Coaching ist vor dem Coaching. Ein Coach sollte an Dir, Deinem Unternehmen und an seinen Ergebnissen, die er langfristig erzielt hat, interessiert sein. Er weiß, dass nach der ersten Euphorie der Down kommt und dann muss er einfach gezielt da sein und begleiten. Ein Coaching ist Langstrecke.

 

Ganz am Anfang habe ich von Ausbildung gesprochen. Das möchte ich an dieser Stelle etwas revidieren. Denn: Ich habe auch sehr gute Erfahrungen mit Nicht-Coaches gemacht. Menschen, die einfach einen guten Job machen und im Workshopbereich selber tätig sind.

Immer wieder picke ich mir die (vermeintlich) Besten raus und fragen gezielt nach einem Coaching. Auch wenn typische Coaching-Skills in solchen Terminen meist fehlen, kann man da extrem Wertvolles für sich raus ziehen.

Klar. Es gab auch Luftpumpen, die das schnelle Geld gewittert haben und nachträglich meine Kriterien nicht erfüllen und ich mir den Termin hätte sparen können. Dennoch entscheide ich mich immer wieder auch dafür. Einfach weil auch wahre Perlen dabei sein können.

 

Das letzte Wort

Stell Dir vor, Du hast den perfekten Coach. Es ist alles super gelaufen. Du bist auf links gedreht, hast neue Einsichten bekommen, hast Deinen Horizont erweitert und eine super Strategie erarbeitet. Du kommst aus dem Coaching raus, bist euphorisch, voller Tatendrang und so richtig begeistert.

Und dann setzt Du es einfach nicht um.

Das ist auch Mist, oder?

In der Verantwortung innerhalb einer Coaching-Beziehung liegt es auch, dass nicht nur der Coach liefert, sondern auch der, der gecoacht wird. Wenn also ein Coach „nicht der Richtige“ war, dann frag Dich immer: „Habe ich wirklich alles möglich gemacht, damit die Dinge funktionieren?“