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Ob wir das wollen oder nicht – wir befinden uns mitten im Arbeitnehmermarkt. Die letzten 10 jähre hat sich enorm viel verändert.

Die Zeiten, dass man froh und dankbar über einen Ausbildungsplatz oder Arbeitsplatz war, sind scheinbar vorbei. Eine neue Generation Mitarbeiter wächst heran und die fordern Unternehmen zum neu- und umdenken.

Denn sie kommen mit Ansprüchen. Halbtags, Minijobs, flexible Arbeitszeiten, Home Office, Coole Teams, Spaß bei der Arbeit. Ein Jahr Beurlaubung, Mitgestaltungsmöglichkeiten und Selbstverwirklichung.

Da stehen plötzlich ganz andere Themen im Vordergrund. Mitarbeiter nehmen nicht mehr hin – sie wollen Sinn in ihrer Arbeit sehen. Sie wollen Prozesse verstehen, hinterfragen und neu kreieren. Geld ist für sie kein Ansporn, sondern Selbstbestimmung und Selbstfindung.

Unbefristete Arbeitsverträge locken bald niemanden mehr hinterm Ofen hervor – man möchte flexibel sein – sowohl zeitlich, als auch örtlich.

Das kann man nun finden, wie man mag. Man kann auch schimpfen, dass es das zu unseren Zeiten so nie gegeben hat. Da hat man noch was getan für sein Geld!

Es ist wie es ist – finden Sie sich damit ab. Da der Mitarbeiter am längerem Hebel sitzt, ohne den Sie Ihr Unternehmen nicht weiterführen können, haben Sie aus meiner Sicht gar keine andere Wahl, als sich der neuen Situation zu stellen. Entwickeln Sie sich.

Und: Was gibt es denn besseres, als Mitarbeiter, die aus Interesse und Selbstberufung ihren Job ausüben wollen? Im Grunde ist es doch genau das, was wir die ganze Zeit wollten. Vielleicht haben die meisten nur nicht damit gerechnet, dass wir auch was dafür tun müssen.

Denn diese Mitarbeiter legen doch den Finger genau in die Wunden. Sie fragen nach, hinterfragen, fordern und wollen respektiert werden. Bekommen Sie das nicht, dann gehen sie. So einfach ist das.

Erstmalig tauchen Fragen im Bewerbungsgespräch auf, wie: „Warum glauben Sie, dass Ihr Unternehmen das Richtige für mich ist?“ Da klappt einem schon mal die Kinnlade runter. Gut so.

Vor nicht allzu langer Zeit undenkbar, dass Bewerber auch selbstbewusste Fragen gestellt haben.

Gefühlt neu ist, dass eben auch Mitarbeiter schauen können, ob der Job und das Unternehmen zu ihnen passen.

Nur mal ehrlich: Was antworten Sie auf eine solche Frage?

Bereiten Sie sich vor. Beantworten Sie aus dem Stehgreif folgende Fragen:

  • Was unterscheidet Sie von Ihren Mitbewerbern?
  • Was macht Ihr Unternehmen besonders?
  • Was hat der Mitarbeiter davon, bei Ihnen angestellt zu sein?

Das Ganze fängt bei der Stellenbeschreibung an. Sie wollen den besten Mitarbeiter? Dann geben auch Sie Ihr Bestes. Seien Sie da, wo Ihr Mitarbeiter ist und gehen Sie darauf ein, was ihm wichtig ist. Im Verkauf würde man das Bedarfsanalyse nennen.

Was interessiert denn den Mitarbeiter wirklich an seinen potentiellen neuen Arbeitsplatz?

Hier ein typischen Beispiel einer Stellenbeschreibung:

Was genau lesen Sie? Gut – nun sind Sie mit Sicherheit keine PFK – aber, was Sie hier sehen, sind typische pflegerische Tätigkeiten. Basics.

Wir können also davon ausgehen, dass der potentielle Mitarbeiter genau das voraussetzt.

Dann lesen wir eine Reihe von vermeintlichen Vorteilen, die sich dem Mitarbeiter bieten werden.

Doch ist das wirklich zeitgemäß?

Was lesen wir denn da?

Wir lesen Standardtätigkeiten. Gut. Die werden überall durchgeführt werden müssen.

Was wir noch lesen ist, dass das Gehalt in den Vordergrund gerückt wird. Mit Hinweis auf den Betriebsrat mögen böse Augen hieraus Schmerzensgeld lesen. Man bekommt sofort das Bild davon, wie die sich für Mitarbeiter einsetzende Institution für Schutz sorgt.

Ein Blick in den aktuellen Pflegealltag zeigt, dass es auch immer mehr nötig wird.

Wir reden über Überstunden, Mehrarbeit, erhöhte Dokumentationsaufwände, Ärztemangel, Stress, Leihmitarbeiter und absolute Überlastung. Wir reden über Übernahmen, Privatisierungen, mangelnde Versorgung, Schnittstellenproblematiken und wenn es ganz blöd läuft über Teamschwierigkeiten.

Und ja – Pflegefachkräften wissen das.

Und auch hier fragen Sie sich bitte: Sind das die Dinge, für die sich irgendwann mal ein Mensch entschieden hat, diesen Beruf zu wählen?

Sicher nicht. Aber jeder, der in der Pflege arbeitet weiß um diese Problematik.

Was Mitarbeiter also brennend interessieren dürfte ist, was Sie als Arbeitgeber dafür tun, dass die Situation erträglich oder sogar gebessert wird.

Sie wollen sehen, dass Ihnen als Arbeitgeber genau das nicht egal ist. Dass Sie hinschauen, die Pflege wertschätzen und sich für diese Berufsgruppe stark machen.

Seien Sie also mutig bei Stellenausschreibungen. Benennen Sie das Kind beim Namen. Und sorgen Sie dafür, dass Sie Lösungen bieten.

„Rechnen Sie mit Mehrarbeit, Überstunden und lästigen Tätigkeiten, wie zu viel Dokumentation. Rechnen Sie aber auch damit, dass Sie in ein Team kommen, in dem Sie das zusammen tragen werden. Rechnen Sie mit einem Oberarzt, der in jedem Dienst begrüßt und sogar Ihren Namen kennt. Mit Kollegen, die an Ihren Geburtstag gedacht haben und einer legendären Weihnachtsfeier.

Rechnen Sie vor allem damit, dass wir an Ihrer Expertise interessiert sind und Sie mit in unser Qualitätsmanagement einbinden wollen. Sie arbeiten an der Front und wissen, wie man Abläufe besser machen kann. Wir hören Ihnen zu und setzen um.

Wir wissen, dass Stress und psychische Belastungen in diesem Job zum Thema werden kann. Sie bekommen bei Bedarf jederzeit Supervision und wir bezuschussen zusammen mit Ihrer Krankenkasse Präventionsangebote, wie Rückenschule, Fitnessstudio und Entspannungskurse.

Uns ist der respektvolle Umgang mit unseren Patienten und Mitarbeitern wichtig. Ebenso der Bestmöglichste Heilungsverlauf für unsere Patienten. Dafür geben wir unser Bestes. Wir erwarten, dass jeder Mitarbeiter sich mit Einfühlungsvermögen, fachlicher Kompetenz und Leidenschaft an seine Arbeit macht.

Rechnen Sie damit, dass wir in Sie investieren wollen. Wenn Sie Spaß an Fort- und Weiterbildung haben, gewähren wir Ihnen hürdenlosen Zugang. Wenn Sie sich innerhalb unserer Einrichtung weiterentwickeln wollen, dann bieten wir Ihnen auch da Möglichkeiten.

Und rechnen Sie mit einem wirklich guten Kaffee, wenn wir uns zum Vorstellungsgespräch treffen.“

  • An welcher Anzeige würden potentielle Mitarbeiter hängen bleiben?
  • Welche Bilder kreieren beide im Unterschied?

Doch alleine eine Interessante Stellenbeschreibung zu schaffen reicht nicht. Davon ab, dass Sie sich mehr als diese Maßnahme überlegen sollten, um Mitarbeiter zu gewinnen.

Schaffen Sie auch den Arbeitsplatz, der attraktiv ist. Positionieren und strukturieren Sie Ihr Unternehmen so, dass es wert ist, dass man bei Ihnen gerne arbeitet.

Es geht mitnichten darum, dass Mitarbeiter mit Kickern, Wohlfühlzonen und was weiß ich noch alles bespaßt werden. Es geht vielmehr darum, dass Mitarbeiter ihren Teil des Arbeitsvertrages gewissenhaft ausführen. Dafür brauchen sie ein Warum, dass über Geld verdienen hinaus geht.

Für mich eine Win-Win-Situation, wenn sie gut und konsequent durchdacht ist.

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